Schirk bedeutet, eine Form der ʿIbādah, also der Anbetung und gottesdienstlichen Verehrung, jemand anderem außer Allah zuzuwenden.
Dazu gehört zum Beispiel: für jemand anderen als Allah zu schlachten, für jemand anderen als Allah ein Gelübde abzulegen, jemand anderen außer Allah anzurufen oder bei jemand anderem außer Allah Hilfe zu suchen, in Angelegenheiten, die nur Allah vermag.
Genau das geschieht heute bei manchen Menschen an Gräbern und Schreinen: Sie rufen Verstorbene an, damit diese ihre Bedürfnisse erfüllen oder ihre Not lindern; sie umrunden ihre Grabstätten, schlachten dort Opfer, um sich ihnen zu nähern, legen ihnen Gelübde ab und Ähnliches.
Das ist großer Schirk, denn dabei wird ʿIbādah jemand anderem außer Allah – erhaben ist Er – zugewandt.
Allah – erhaben ist Er – sagt:
﴿فَمَنْ كَانَ يَرْجُوا لِقَاءَ رَبِّهِ فَلْيَعْمَلْ عَمَلًا صَالِحًا وَلَا يُشْرِكْ بِعِبَادَةِ رَبِّهِ أَحَدًا﴾
„Wer nun auf die Begegnung mit seinem Herrn hofft, der soll rechtschaffen handeln und niemanden an der ʿIbādah seines Herrn beteiligen.“
(al-Kahf, 18:110)
Und Allah – erhaben ist Er – sagt:
﴿وَاعْبُدُوا اللَّهَ وَلَا تُشْرِكُوا بِهِ شَيْئًا﴾
„Und dient Allah und gesellt Ihm nichts bei.“
(an-Nisāʾ, 4:36)
Und Er sagt:
﴿وَمَا أُمِرُوا إِلَّا لِيَعْبُدُوا اللَّهَ مُخْلِصِينَ لَهُ الدِّينَ حُنَفَاءَ وَيُقِيمُوا الصَّلَاةَ وَيُؤْتُوا الزَّكَاةَ وَذَلِكَ دِينُ الْقَيِّمَةِ﴾
„Ihnen wurde doch nur befohlen, Allah zu dienen, Ihm gegenüber aufrichtig in der Religion zu sein, als Ḥunafāʾ, das Gebet zu verrichten und die Zakāh zu entrichten. Das ist die Religion der Geradlinigkeit.“
(al-Bayyina, 98:5)
Die Verse zu diesem Thema sind zahlreich.
Schirk hat verschiedene Arten.
- Großer Schirk
Die erste Art ist großer Schirk, der aus dem Islam hinausführt.
Das ist das, was bereits erwähnt wurde: dass jemand irgendeine Form der ʿIbādah jemand anderem außer Allah zuwendet. Zum Beispiel, indem er für jemand anderen als Allah schlachtet, für jemand anderen als Allah ein Gelübde ablegt, jemand anderen außer Allah anruft oder bei jemand anderem außer Allah Hilfe sucht.
Das ist großer Schirk, der aus dem Islam hinausführt. Wer darauf stirbt, ohne zu Allah zu bereuen, bleibt ewig im Höllenfeuer.
Allah – erhaben ist Er – sagt:
﴿إِنَّهُ مَنْ يُشْرِكْ بِاللَّهِ فَقَدْ حَرَّمَ اللَّهُ عَلَيْهِ الْجَنَّةَ وَمَأْوَاهُ النَّارُ﴾
„Wer Allah etwas beigesellt, dem hat Allah das Paradies verboten, und seine Zuflucht ist das Feuer. Und die Ungerechten haben keine Helfer.“
(al-Māʾida, 5:72)
Diese Art von Schirk vergibt Allah nicht, wenn der Mensch ohne Reue darauf stirbt.
Allah – mächtig und erhaben ist Er – sagt:
﴿إِنَّ اللَّهَ لَا يَغْفِرُ أَنْ يُشْرَكَ بِهِ وَيَغْفِرُ مَا دُونَ ذَلِكَ لِمَنْ يَشَاءُ﴾
„Gewiss, Allah vergibt nicht, dass Ihm etwas beigesellt wird. Doch was darunter liegt, vergibt Er, wem Er will. Und wer Allah etwas beigesellt, der ist weit in die Irre gegangen.“
(an-Nisāʾ, 4:116)
- Kleiner Schirk
Die zweite Art ist kleiner Schirk. Er führt nicht aus dem Islam hinaus, doch seine Gefahr ist gewaltig. Auch er wird nur durch Reue vergeben, denn Allah sagt:
﴿إِنَّ اللَّهَ لَا يَغْفِرُ أَنْ يُشْرَكَ بِهِ وَيَغْفِرُ مَا دُونَ ذَلِكَ لِمَنْ يَشَاءُ﴾
„Gewiss, Allah vergibt nicht, dass Ihm etwas beigesellt wird. Doch was darunter liegt, vergibt Er, wem Er will.“
(an-Nisāʾ, 4:116)
Diese Aussage umfasst sowohl den großen als auch den kleinen Schirk.
Zum kleinen Schirk gehört zum Beispiel, bei jemand anderem außer Allah zu schwören.
Ebenso gehört dazu, dass jemand sagt:
مَا شَاءَ اللَّهُ وَشِئْتَ
„Was Allah will und was du willst.“
Dabei wird der Wille des Geschöpfs durch das Wort „und“ mit dem Willen des Schöpfers verbunden. Richtig wäre zu sagen:
مَا شَاءَ اللَّهُ ثُمَّ شِئْتَ
„Was Allah will, und danach was du willst.“
Ebenso gehört dazu die Aussage:
لَوْلَا اللَّهُ وَأَنْتَ
„Wenn nicht Allah und du gewesen wäret …“
und ähnliche Formulierungen.
Das ist Schirk in den Worten und wird kleiner Schirk genannt.
- Verborgener Schirk
Auch Riyāʾ gehört zum kleinen Schirk. Er ist ein verborgener Schirk, weil er zu den Handlungen des Herzens gehört. Man spricht ihn nicht unbedingt aus, er ist nicht sichtbar an den Gliedern und zeigt sich nicht offen auf der Zunge. Vielmehr ist er etwas im Herzen, das niemand kennt außer Allah.
Somit gibt es Schirk in drei Formen:
großer Schirk,
kleiner Schirk,
und verborgener Schirk.
Der verborgene Schirk ist Riyāʾ sowie das, was sich im Herzen an Absichten und Zielen für jemand anderen außer Allah – erhaben ist Er – befindet.
Riyāʾ bedeutet: Ein Mensch verrichtet eine Handlung, die äußerlich für Allah erscheint, doch innerlich beabsichtigt er damit etwas anderes als Allah. Er möchte zum Beispiel, dass die Menschen ihn loben, ihn rühmen oder gut über ihn sprechen. Oder er verfolgt mit dieser Handlung irgendeinen weltlichen Vorteil.
Die äußere Form seiner Tat scheint für Allah zu sein, doch in Wirklichkeit ist sie für jemand anderen.
Allah – erhaben ist Er – sagt:
﴿مَنْ كَانَ يُرِيدُ الْحَيَاةَ الدُّنْيَا وَزِينَتَهَا نُوَفِّ إِلَيْهِمْ أَعْمَالَهُمْ فِيهَا وَهُمْ فِيهَا لَا يُبْخَسُونَ أُولَئِكَ الَّذِينَ لَيْسَ لَهُمْ فِي الْآخِرَةِ إِلَّا النَّارُ وَحَبِطَ مَا صَنَعُوا فِيهَا وَبَاطِلٌ مَا كَانُوا يَعْمَلُونَ﴾
„Wer das diesseitige Leben und seinen Schmuck will, dem geben Wir seine Werke darin vollständig, und ihnen wird darin nichts geschmälert. Das sind diejenigen, für die es im Jenseits nichts gibt außer dem Feuer. Vergeblich ist, was sie darin getan haben, und nichtig ist, was sie zu tun pflegten.“
(Hūd, 11:15–16)
Wer also zum Beispiel die Ḥaǧǧ verrichtet, Wissen sucht oder eine andere gottesdienstliche Handlung vollzieht, dabei aber einen weltlichen Vorteil beabsichtigt, der fällt in Riyāʾ. Und Riyāʾ macht die Tat zunichte.
Der Prophet ﷺ sagte:
«أخوف ما أخاف عليكم الشرك الأصغر فسئل عنه فقال: الرياء»
„Das, was ich für euch am meisten fürchte, ist der kleine Schirk. Er wurde danach gefragt, und er sagte: „Riyāʾ.“
Und der Prophet ﷺ sagte:
«الشرك في هذه الأمة أخفى من دبيب النملة السوداء على صفاة سوداء في ظلمة الليل، وكفارته أن يقول: اللهم إني أعوذ بك أن أشرك بك شيئًا وأنا أعلم، وأستغفرك من الذنب الذي لا أعلم»
„Der Schirk in dieser Umma ist verborgener als das Kriechen einer Ameise auf einem glatten Stein in der Dunkelheit der Nacht. Seine Sühne besteht darin, dass man sagt: „O Allah, ich suche Zuflucht bei Dir davor, Dir etwas beizugesellen, während ich es weiß, und ich bitte Dich um Vergebung für das, was ich nicht weiß.“
Darum ist es für den Muslim verpflichtend, in seinen Taten, Worten und Absichten aufrichtig gegenüber Allah zu sein, damit seine Handlung rechtschaffen ist und bei Allah – erhaben ist Er – angenommen wird.
Sheikh Ṣāliḥ al-Fawzān: Madschmu Fatāwā Faḍīlat asch-Scheich Ṣāliḥ ibn Fauzān